181. Edmond Jabès
Der vorbestimmte Weg
Aus dem Französischen von Monika Rauschenbach
137 Seiten 9,50 EUR ISBN 3-88396-112-4 Berlin 1993
"An dieser Stelle des Weges müßte ich meinen Bezug zum Judentum und zur
Schrift überdenken. Zu einem bestimmten Judentum allerdings, das auf dem
Buch beruht und sich in ihm erkennt. Diese Seiten hätten die Gestalt eines
Tagebuches annehmen können. Sie sind eng mit meinem Leben verbunden." (Edmond
Jabès)
194.
Edmond Jabès u.a.
Migranten
Luigi Nono
/
Massimo
Cacciari
Hg. von Nils Röller 126 Seiten 10,50 EUR ISBN 3-88396-126-4 Berlin 1995
Jude sein heißt Migrant, Wanderer sein, "nicht anzuhalten und eine Bleibe
zu nehmen, sondern allem zu entfliehen: dem Land der Väter, dem Lachen des
Sohns, sich selbst." "Aber Jabès ist nicht ein jüdischer Schriftsteller:
'Ich habe mich nie für einen jüdischen Schriftsteller gehalten. Ich bin
Jude und Schriftsteller, und das ist keineswegs dasselbe.' Es ist nicht
nur nicht 'dasselbe', weit mehr: hier kommt es vielmehr zu einem Bruch:
hier findet die authentische, äußerste Wanderung statt - jene des Geschriebenen,
der Schrift selbst, fort vom Jude-Sein." Auf diesem Wege trifft Jabès auf
den Komponisten Luigi Nono und auf den Philosophen und Politiker Massimo
Cacciari, zwei Venezianer, die ihrerseits nach neuen Wegen suchen: musikalisch,
philosophisch, politisch. Erste Ansätze einer Zusammenarbeit werden durch
den Tod von Nono und Jabès jäh unterbrochen.
145. 191.
162. Edmond Jabès;
Derrida
/
101. Michael Janick
192. Derek Jarman Chroma.
Ein Buch der Farben
168 Seiten 13,50 EUR ISBN 3-88396-124-8 Berlin 1995
Weis(s)machen / Der Schatten ist die Königin der Farben / Über das Rotsehen
/ Die Romantik der Rose und der Schlaf der Farbe / Schlaue graue Zellen
/ Marsilio Ficino / Grüner Daumen / Alchimistische Farbe / Was nu, braune
Kuh / Die Gelbe Gefahr / Orangeade / Leonardo / Ins Blaue / Purpurpracht
/ Schwarze Kunst / Silber und Gold / Schillerndes / Transparenz
Der Filmemacher Jarman (
Jubilee, Caravaggio, Wittgenstein) war
auch ein Dichter und Essayist.
210. Karl Jaspers
Strindberg und van Gogh
Mit einem Hölderlin-Essay von Maurice Blanchot
Aus dem Französischen von Hennig Schmidgen 230 Seiten 14,50 EUR ISBN 3-88396-142-6
Berlin 1998
"Ein Plädoyer für das Schizofrene in der Kunst" (Bernd Mattheus,
Süddeutsche
Zeitung) Ein Buch, auf das sich Foucault, Derrida und Deleuze beziehen.
213. Henri-Pierre Jeudy
Stadterfahrungen Tokio, Rio, Berlin, New York, Lissabon
Aus dem Französischen von Andreas Hiepko 77 Seiten EUR 7,50 EUR ISBN 3-88396-145-0
Berlin 1998
Die Stadt als Horizont des Denkens. „Die Stadt bedarf keiner Überlagerung
ihrer Spuren, ihre Metamorphose läßt die Reversibilität ihrer Geschichte
unsichtbar werden. Gleichviel ob die Nihon-bashi unserer Tage von all den
anderen Brücken nicht mehr zu unter- scheiden ist, sie bewahrt ihre symbolische
Macht bis auf den Tag, an dem ein Beben das Museum zerstört."
français
251. François Jullien
Dialog über die Moral
Menzius und die Philosophie der Aufklärung
Aus dem Französischen von Ronald Vouillé 235 Seiten 16,80 EUR ISBN 3-88396-184-1
Berlin 2003
Wer gute Taten begeht, sich tugendhaft verhält und immer die Moralvorschriften
beachtet, wird nach westlicher Auffassung spätestens im Jenseits belohnt.
Das chinesische Denken kommt dagegen ohne Jenseitsvorstellungen und außerirdische
Paradiese aus. Daher stellt sich die Frage, wie auf beiden Seiten die Moral
begründet wird? Wie sich im Dialog zwischen Menzius, einem Denker aus dem
4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, auf der einen Seite und Kant und
Rousseau auf der anderen Seite zeigt, ist der Ausgangspunkt hier wie dort
die spontane Erfahrung des Mitleids. Des Mitleids, das einen überkommt,
wenn man andere leiden sieht. Kant und Rousseau verbinden moralisches Verhalten
mit dem Willen und mit der Freiheit des Willens. Und das führt sie letzten
Endes zur Zweiteilung der Welt in eine Welt sinnlicher Erfahrung und eine
übersinnliche transzendente Welt. Im Gegensatz zur westlichen Vorstellung,
der zufolge das chinesische Denken in mystisch-esoterischen Regionen oder
gar religiöser Verklärtheit schwebt, erweist Menzius sich als durch und
durch irdischer Denker, der fest in den energetisch-dynamischen Prozessen
des Hier und Jetzt verankert ist. Aber, und diese Frage hebt Jullien sich
bis zum Schluss auf, muss die chinesische Vorstellung von Freiheit dann
nicht geradezu zwangsläufig mit der des Westens kollidieren?
de:bug
/
swr2
267. François Jullien (Hrg.)
Die Kunst, Listen zu erstellen
Aus dem Französischen von Ronald Voullié 121 Seiten 9,80 EUR ISBN 3-88396-201-5
Berlin 2004
Drei Texte von François Jullien, Karine Chemla und Jacqueline Pigeot zu
einer sehr alten chinesischen und japanischen Praktik Vom alten Sumer bis
zu Rabelais, von der Bibel bis Jules Verne wimmelt es nur so von Aufzählungen
und Listen. Eine Liste der Listen zu erstellen wäre eine riesige Aufgabe.
So gibt es auch in der chinesischen und japanischen Kunst und Literatur
zahllose Listen. Listen zum Erlernen einzelner Künste , wie etwa der Malerei,
des Zitherspieles, des chinesischen Boxens oder der Liebeskunst. Anhand
der Listen zur Dichtung wird deutlich, dass es sich nicht nur um technische
Gebrauchsanweisungen handelt. Der Aufbau der Liste zeigt sich als eine eigenständige
Kunst, die auf ihre Weise Anteil am großen Tao hat. Sogar mathematische
Listen sind mehrdeutig und verweisen auf kulturelle Praktiken. Die japanischen
Listen, wie sie im Kopfkissenbuch und in den Aufzeichnungen in Mußestunden
vorkommen, erscheinen auf den ersten Blick völlig willkürlich und bunt zusammengewürfelt.
Aber gerade dieser scheinbare Mangel an Logik ermöglicht es, die Kräfteverhältnisse
darzustellen, die in einer Gesellschaft wirksam sind. Was allerdings den
Spaß an der spielerischen Zusammenstellung widersprüchlicher Dinge nicht
ausschließt.
faz
/
swr2
219. François Jullien
Über das Fade - eine Eloge Zu Denken und Ästhetik in China Aus
dem Französischen von Andreas Hiepko und Joachim Kurtz 191 Seiten 12,50
EUR ISBN 3-88396-151-5 Berlin 1999
"Sein Buch... gehört zu den schönsten und subtilsten der letzten Zeit. Es
berichtet von einer chinesischen Ästheik des klaren geschmacklosen Wassers,
von Nebel und weiten Landschaften, von angerissenen Tönen und lapidaren
Gedichten, kurz: von einem Willen zur Fadheit, in der Kunst und Leben sich
der Realität einer unaufgeregten Mitte öffnen... ein Vademekum der Nachdenklichkeit."
(Michael Glasmeier, Zitty)
faz
224. François Jullien
Über
die Wirksamkeit
Aus dem Französischen von Gabriele Ricke und Ronald Voullie
270 Seiten 19,- EUR ISBN 3-88396-156-6 Berlin 1999
Es geht um Handlungsstrategien, um Kriegskunst Diplomatie und Rhetorik.
Wie man mit Leichtigkeit eine schwierige Lage meistert, wie man die potentielle
Situationsenergie ausnützt, wie man rechtzeitig die günstige Gelegenheit
erkennt, wie man die Meinung des anderen zu seinen Gunsten beeinflusst.
"...ein Denken in der Quere. Der Philosoph und Sinologe bewegt sich zwischen
chinesischem und westlichen Denken und entwirft einen Begriff von Wirkungen."
(J.-F. Lyotard,
Le Monde)
vorschau
244. François Jullien
Der Umweg über China
Ein Ortswechsel des Denkens
Aus dem Französischen von Mira Köller
Mit einer Einleitung von Jean-François Lyotard 194 Seiten 13,60 EUR ISBN
3-88396-177-9 Berlin 2002
Im vorliegenden Band, der Gespräche Julliens mit Débat, art press, Magazine
littéraire, Auszüge aus Penser d’un dehors (la Chine) und ein Grundsatzpapier
enthält, erklärt der französische Philosoph und Sinologe seine Methode,
das Denken den Ort wechseln zu lassen, ohne der Utopie in die Falle zu gehen.
Und er erklärt, warum er China für jenes konkrete Anderswo hält, das man
mit Foucault als „Heterotopie“ bezeichnen könnte. „Was Julliens Texte auszeichnet,
ist eine hintergründige Verrückung von Wörtern und Strukturen. Die Paradoxien
Europas werden plötzlich geschmeidig. Sie machen einen Seitensprung auf
anderes Terrain, wo sie sich neu entfalten, ohne die Kolonialware ‚Exotismus‘
zu betreiben.“ (Peter Bexte,
Frankfurter
Rundschau)
perlentaucher
/
265. Franz Kaltenbeck
285. Francois Jullien
Sein Leben nähren
Abseits vom Glück
Herausgegeben und übersetzt von Ronald Voullié
224 Seiten 18 EUR ISBN 3-88396-219-8 Berlin 2006
Unsere Erfahrung, in Europa, wurde ausgehend von einer Trennung von Ebenen
gedacht: lebenswichtig / moralisch / geistig. Selbst das grundlegendste
Verb, "nähren", wurde von der Spaltung in Konkretes und Symbolisches
erfasst: seinen Körper nähren oder seine Seele nähren (bei Platon und den
Kirchenvätern).
Wenn man dem in China weit verbreiteten Ausdruck "sein Leben nähren"
folgt, wird man dazu geführt, zur Ungeschiedenheit dieser Ebenen zurückzukehren.
[...] Der Weise hat keine Bestimmung und kein Verlangen; er "bewegt"
sich im tao, heißt es, "wie ein Fisch im Wasser"...
Dadurch werden einige unserer massivsten Grundbegriffe erschüttert, und
zwar vor allem die der "Seele" und des "Körpers". Wenn
sein Leben nähren als begriffliche Einheit gefasst werden kann, dann in
erster Linie, weil man von Grund auf in sich den "Lebensatem"
nährt. Es zeichnet sich also ein anderes Verständnis ab - das vom suspekten
Mystizismus zu befreien ist, mit dessen Soße die Vertreter der "persönlichen
Entwicklung" uns übergießen wollen.
289. François Jullien
Vortrag vor Managern
über Wirksamkeit und Effizienz
in China und im Westen
Übersetzt von Ronald Voullié.
107 Seiten 9,80 Euro ISBN 3-88396-223-6 Berlin 2006
Philosophie und Sinologie, François Jullien präsentiert hier einen Vortrag,
den er vor Unternehmensführern und im Bereich des Managements gehalten hat.
Einerseits ist die europäische Auffassung der Wirksamkeit mit der
Erstellung von Modellen, sowie mit der Zweckbestimmung verbunden und hat
die Aktion bis hin zum Heldentum zur Folge; andererseits stützt sich das
chinesische Denken der indirekten und diskreten Effizienz auf das
Potential der Situation und löst »stillschweigende Wandlungen« aus, die
ohne Aufsehen vonstatten gehen und nicht einmal den Status eines Ereignisses
haben. Anhand dieses Unterschieds soll die Natur der Effektivität
untersucht werden, beziehungsweise, wie es der menschlichen Intervention
gelingt, sich an die Neigung der Dinge anzuschließen, und wie sie in diese
eingeht.
Dieser Ansatz bemüht sich also, die Kunst, Situationen zu beeinflussen,
und die Ausübung der Philosophie so wenig wie möglich voneinander zu trennen.
Daraus ergeben sich Folgerungen für die Interpretation der Geschichte des
20. Jahrhunderts und für die künftige Geopolitik – und Geoethik.
François Jullien ist Professor an der Universität Paris 7 und Leiter des
Institut de la pensée contemporaine.
325. François Jullien
Das Universelle, das Einförmige, das Gemeinsame und der Dialog zwischen
den Kulturen
ca. 220 Seiten 20,- Euro ISBN 978-3-88396-262-7
Aus dem Französischen von Ronald Voullié.
„Wie kann man vom Prinzip der strikten Allgemeingültigkeit übergangslos zum bloßen Postulat der angestrebten Allgemeinverbindlichkeit übergehen? - fragt Jullien. Theorie und Praxis, wird man antworten. Im Spielraum dieser logischen Wackelstelle findet heute die Debatte über Kulturverständigung statt. Julliens Versuch einer Begriffsklärung im Dreieck zwischen logischer Universalität, wirtschaftlicher Uniformität und politisch ausgehandelter Gemeinschaft ist ein nützlicher Beitrag dazu. Das Gemeinsame ist dabei nicht bloß als ein minderwertiges Allgemeines zu verstehen. Es ist eine eigene Größe. Von einer kategorisch gesetzten Allgemeingültigkeit habe die Menschenrechtsdebatte den Akzent - so Julliens These - in Richtung einer konkret angestrebten Gemeinschaft verschoben: Wo das Universelle stockt, macht der Gemeinschaftssinn weiter.“ Joseph Hanimann,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2008.
François Jullien (*1951), Philosoph und Sinologe, leitet an der
Université Paris-Diderot das
Institut de la pensée contemporaine.
211. Kapielski
Davor kommt noch.
Gottesbeweise IX-XIII
174 Seiten 12,50 EUR ISBN 3-88396-143-4 Berlin 1998
Eine heitere Kunst des Geschichtenerzählens, der poetischen Theologie, des
Reisens und der Ästhetik. Kapielski ist Urberliner mit echtem Berliner Mutterwitz
dlf
215. Kapielski
Danach war schon.
Gottesbeweise I-VIII
190 Seiten 12,50 EUR ISBN 3-88396-147-7 Berlin 1999
"An Kapielski kommt im neuen Berlin keiner vorbei" (Mark Siemons,
FAZ
) "Kapielskis Buch ist so recht geeignet, die sog. Berliner Republik von
Anfang an und gleich in ihren Grundfesten zu erschüttern." (Willi Winkler,
SZ) "Kapielski bringt das Genre des Künstlerromans zu seiner historischen
Vollendung." (Elke Schmitter,
Die Zeit)
268. Kapielski
Weltgunst
180 Seiten 13,80 EUR ISBN 3-88396-202-3 Berlin 2004
Ich bin in dieses Frühjahr sehr wortkarg hineingeschlichen, habe zugeschaut,
wie die Blätter wachsen und einiges gelesen. Sonst nichts. Fernerhin habe
ich mich über Wochen an einer funktionierenden Deutschfassung der SATOR-Formel
versucht; die ebenmäßigste war, wie bei den Blumen, zugleich auch die einfältigste:
A U A
U H U
A U A
Zum Zwecke musischer Instandhaltung ist dies die geistesärmste aller Übungen
freilich nicht. (Solange man bloß kein Mikado anfängt! Dann ist es aus.)
Dekorum. Zunehmend egal, warum, weshalb, worüber. Die Wahl eines Wortes
und der Bau des Satzes wollen mir, wider die unermessliche Belanglosigkeit
des allgemeinen Weltgeschehens, jetzt als das Zweithöchste gelten.
Worte, die mit V vorneweg böse Schnitte machen: Vorschuß, Vietcong, Vierwaldstätter
See, Vatikan (Heiliger Mosebach! Paul VI. Welch ein Verwüster, dieser Papst!).
Oder verschärft mit Vogellpfau auf Mitte: Raviermevver.
taz /
faz
/
titanic /
174.
135. Kapielski /
171. Karten zu Tausend Plateaus /
157.
Derrick de Kerckhove, Richard Kriesche /
273. 266. Rainer Maria Kiesow /
265.
Martin Kippenberger, Jürgen Klauke
284. Kapielski
Anblasen
128 Seiten 9,80 EUR ISBN 3-88396-218-X Berlin 2006
"du nimmst jetzt mal dein gedrucktes Gesamtwerk her, stellst die Bücher von
Merve, von Zweitausendeins, von Maas, Kramer, das zerzauste G.S.P. (große
Scheiße passiert) und EVS-Zeug (Eigenverlag stinkt!) nebeneinander auf,
schön mit Buchstützen links und rechts, und das lassen wir dann auch so aus
Gummi als Aufblasstück herstellen! Und da haben wir dann eine Edition!"
Zu Thomas Kapielskis Gesamtluftwerk erscheint das Gesamtluftwerk bei
Merve mit Texten zu seiner eigenen Kunst und der anderer, zu den
Merkwürdigkeiten des Kunstbetriebs und denen der Kunstschaffenden mit
Interviews, Fotos und Pneuma.
211. 215.
268.
333. Kapielski
Zeitbehälter
Kleine Festordnung
152 Seiten 14,- Euro ISBN 978-3-88396-270-2
»
Caerimonia. Zeitbehälter, Zeitgefäße und –fässer. Wer die Ordnung der Zeit
vernachlässigt, fällt aus der Zeit mit Rumps! und Bumms! Vertändeltes
Leben, verschlafener Tag, versäumte Weltengunst. Das All und Eine, die
Sonnen, Planeten und ihre Beisassen, die Pflanzen und Tiere, hüten sich,
solches zu tun. Alles atmet und rollt um mit Maß. Maß und Ordnung (
ordo)
bestellen die Weltordnung (
kósmos). Gesetze, Zeit- und Festordnungen müssen
Leidenschaften und menschliche Haltlosigkeiten bezwingen, da diese die
Völker leicht in die Barbarei zurückwerfen und den Staaten erlauben, leichtsinnig
auf Krieg zu grübeln. Satzung nötigt und kann lästig sein, doch der
Krieg ist viel herber. Denn: „
Silent leges inter arma.“ – Im Krieg schweigen
die Gesetze. […] Der Ordnung aber leisten die wildesten Gewalten Gehorsam.
„Ordnung rejiert de Welt und Knüppel de Leutchen!“ (Berliner Redensart,
um 1900) Auch gilt es die launische Zeit selbst zu zügeln: Zwar macht sie
aus einem Gerstenkorn ein Fass Bier und sinnt auf Wachstum und Gedeihen;
doch Zufall und Zeit sind obendrein die größten Tyrannen der Erde, wie
Herder und auch wir befinden; auch darum ersann sich der Mensch die Ordnung
und das Maß der Zeit und ersehnt die Deutung und Hegung des
Zufalls.« Kapielski
Thomas Kapielski, (*1951 in Berlin-Charlottenburg), Studium der Philologie,
Physischen Geographie, Philosophie. Schriftsteller, Künstler, Musiker,
Dozent, lebt in Berlin.
(
www.kapielski.de)
291. Wolfgang Kemp
Von Gestalt gesteigert zu Gestalt
Hokusais 100 Ansichten des Fuji
144 Seiten 12,80 Euro zahlreiche Abbildungen ISBN 3-88396-225-2 Berlin
2006
100 Ansichten des Fuji, 100 Gedichte auf den Fuji: das Format war seit
langem etabliert, als Hokusai 1834 seine Holzschnittserie in drei Bänden
publizierte.
Was andere konnten, konnte Hokusai auch. Aber grundsätzlich und so gut
wie nie gefragt: Wie kommt man eigentlich von 0 auf 100, überhaupt und
vor allem, wenn man wie Hokusai die bewährten Kriterien der Bildfindung,
Jahreszeiten und berühmte Orte nicht bedient? Welche anderen Suchformeln
wendet er an? Und wie organisiert er eine solche Sammlung von 100 Bildern
in drei Bänden und stellt sich damit einer zweiten großen Herausforderung,
denn es gilt, dass die Sammlung in der japanischen Kunst das Äquivalent
des westlichen Einzelwerks ist?
Es wird zu zeigen sein, dass diese beiden Fragen nur zusammen beantwortet
werden können. Die historische (Bild)Poetik Japans begegnet hier neueren
Ansätzen der kunsthistorischen Erzählforschung.
Wolfgang Kemp, geboren 1946, Professor für Kunstgeschichte an der Universität
Hamburg, Gastprofessuren u.a. in Harvard, an der UCLA, Fellow am Wissenschaftskolleg
Berlin und am Getty Research Center Los Angeles. Grundlegende Veröffentlichungen
zur Geschichte und Theorie der Fotografie, zur Rezeptionsästhetik und
Bilderzählung.
250. Friedrich Kittler
Optische Medien
331 Seiten 16,70 EUR ISBN 3-88396-183-3 Berlin 2002
Friedrich Kittlers Vorlesung liefert eine konzise Geschichte der optischen
Medien, die von der Camera obscura und Albertis Linearperspektive bis zu
neuesten Entwicklungen der Fernsehtechnik und Computergraphik reicht. Es
geht um Künste und Techniken als zwei sehr unterschiedlichen Weisen, die
Grenzen der Sichtbarkeit zu verschieben; aber auch um die Effekte, die die
Entwicklung des Films auf das uralte Speichermonopol der Schrift gehabt
hat. Kurz, eine medienhistorische Einführung in die technischen Aprioris
der Bildproduktion, die für jeden unverzichtbar ist, der sich unter den
herrschenden audiovisuellen Bedingungen zurechtfinden will.
faz
perlentaucher
240. Friedrich Kittler/Cornelia
Vismann
Vom Griechenland
155 Seiten 12 EUR ISBN 3-88396-173-6 Berlin 2001
Was kann uns Griechenland, die vermeintliche Wiege der europäischen Kultur,
heute geben? So lautet die Frage, auf die die fünf Texte dieses Bandes Antwort
geben. Den Auftakt gibt der unerhörte Frevel Lykaons, der sich vermaß, die
Unsterblichkeit der Götter auf die Probe zu stellen. Zur Strafe verwandelt
Zeus den ersten Menschen ins "Andere seiner selbst“, den berüchtigsten Werwolf
Arkadiens. Auf den wölfischen Zeus folgt die schaumgeborene Aphrodite und
ihre Priesterinnen. Allen voran die Hetäre Phryne, die sich vor ihren Richtern
entblößt. Sie gibt die Urszene, in der das Begehren des Rechts nach der
Wahrheit zum Bild wird - lange bevor eben dieses Recht die weibliche Allegorie
der Gerechtigkeit erfindet, der ja bekanntlich noch die Augen verbunden
sind.
Nicht besser dankt die Philosophie der Göttin, der sie alles verdankt. Platons
Symposion ist der Ort, an dem der Sex in Sokrates seinen Meister findet.
Fortan sichert ein zum "Aufseher schöner Knaben" bestimmter Eros die Wissensübertragung
von Mann zu Mann - und im lahmen Begehren, begehrt zu werden, kann akademisches
Wissen beginnen; bis sich schließlich - nicht nur an Charcots Salpetrière
- die Wahrheit des Rechts und die Wahrheit der Universität zur Wahrheit
des Menschen zusammenschließen: eine Frau als Schauobjekt, eine Menge von
Männern, die begierig ist zu wissen, zu hören und zu sehen und ein einzelner
Herr, der zwischen ihnen und dem stummen weiblichen Akt vermittelt, der
zeigt und spricht, weil er das Wissen hat.
Es bedurfte erst einer neuen Physik, in der - allen Lehren Goethes zum Trotz
- die Physis Griechenlands wiederkehrte, damit wieder ein Blick nach Kythera
gehen konnte, "dorthin, wo wunderschöne Unordnung geherrscht haben soll".
221. 225.
Friedrich Kittler
83. Sprachen des Körpers.
Marginalien zum Werk von Pierre Klossowski
Beiträge von Georges Bataille, Maurice Blanchot, Michel Butor, Gilles Deleuze,
Michel Foucault u.a. Übers. von Gabriele Ricke, Gilbert Strasmann, Sigrid
v. Massenbach, Silke Schilling
122 Seiten 6,50 EUR ISBN 3-88396-002-0 Berlin 1979
Klossowski arbeitet gleichzeitig mit verschiedenen Medien: Literatur, Mythologie,
Übersetzung, Film, Philosophie, Malerei, um sein fast schon stereotypes
Thema auszudrücken: das Simulakrum, "das Spiel der erst behaupteten und
dann geleugneten Identität... Trugbild, Ähnlichkeit, Gleichzeitigkeit, Vortäuschung
und Verstellung". (Foucault)
86. Pierre Klossowski
Kultische und mythische Ursprünge gewisser Sitten der römischen Damen (Neuauflage
)
Aus dem Französischen von Gabriele Ricke
88 Seiten 7,50 EUR ISBN 3-88396-005-5 Berlin 2005
- Ein Traktat über den römischen Erotismus.
- Ein Essay über das Verhältnis von Mutterrecht und Prostitution.
- Ein Exkurs zu den Gesetzen der Gastfreundschaft.
- Eine Digression zu Bachofens Mutterrecht.
- Eine Anmerkung zur damenhaften Wende der Frauenbewegung.
- Eine Fußnote zum Bad der Diana.
- Eine Fortschreibung antiker Mythologie.
- Eine Erinnerung an den Geschichtsunterricht an den Gymnasien.
- Ein Text über die weibliche Kunst verführerischer Darbietung / imitierter
Verführung, verschwenderischer Hingabe / vernichtender Verausgabung, Initiation
/ Mime.
triggerfish
272. Pierre Klossowski
Divertimento für Gilles Deleuze
Aus dem Französischen von Walter Seitter und Walter Klier
61 Seiten 6,80 EUR ISBN 3-88396-206-6 Berlin 2005
Anlässlich des 100. Geburtstags von Klossowski zwei Texte, die er 1972 für
Gilles Deleuze geschrieben hat, gefolgt von einem Gespräch mit France Huser.
„Was Gilles Deleuze beiträgt und vollendet, konnte sich im Kontext der letzten
Generationen nur mit einer instinktiven Hartnäckigkeit bewerkstelligen lassen:
das Unlehrbare ins Lehren einführen (...) Das Unlehrbare lehren: gewiss
musste Nietzsche leben und leiden, damit ein solches Vorhaben nicht leer
und absurd blieb. Aber Nietzsche, der den Kampf lieferte, um eine derartige
Position zu erringen, tat es, indem er das Lehren aufgab. Zweifellos befand
sich Deleuze in einer begünstigten Lage aufgrund seiner Affinitäten zu einem
anderen exemplarischen Geist, dessen Erkundungen benachbarte Zonen erschlossen:
Michel Foucault. Beide haben schlechterdings gemeinsam: die Liquidierung
des Prinzips der Identität.“
biblio
Klossowski /
triggerfish
235. Alexander
Kluge
Verdeckte Ermittlung
Gespräch mit Christian Schulte und Rainer Stollmann
139 Seiten 10,50 EUR ISBN 3-88396-168-X Berlin 2001
In einem vierstündigen Gespräch gibt Kluge Auskunft über seine
Chronik
der Gefühle, ein opus magnum, in dem es um Lebensläufe, Eigensinn
und Lebenszeit geht.
„Daß die Texte sich selbst organisieren, das ist ein Gedanke, den ich sowieso
immer hatte.“ Kluge expliziert seine Poetik, erläutert seine Verfahrensweise,
spricht über seine Begegnungen mit Heiner Müller und Gorbatschow. Im zweiten
Teil steht ein Bericht über eine Reise nach Chicago, sowie Interviews mit
DJ Paul Johnson, dem King of the basement und Jeff Mills, dem Godfather
of Techno.
rezensionen
/
253. Alexander Kluge /
193.
Klugheitslehre.
militia contra malicia
128. Theo Kneubühler
Wegsehen. Aufsätze Briefe Texte
134 Seiten 9,- EURISBN 3-88396-048-9 Berlin 1986
"Bild ist: ich beobachte - ich betrachte - ich besichtige - ich spähe -
ich luge - ich starre - ich schaue" (Kneubühler) In diesem Buch ist der
legendäre Broodthaers-Text von 1979 wieder abgedruckt mit einer bislang
unveröffentlichten Fortsetzung.
265. Peter Kogler /
273.
Kritisches Wörterbuch
300. Alexandre Kojève
Überlebensformen
Herausgegeben und übersetzt von Andreas Hiepko.
88 Seiten 07,00 Euro ISBN 978-3-88396-234-4
Alexandre Kojève soll 1967 in Westberlin, wo er auf seinem Weg von Peking
nach Plettenberg einen Zwischenstopp eingelegt hatte, den revoltierenden
Studenten auf die Frage „Was tun?“ geantwortet haben, sie sollen Griechisch
lernen. So will es die Legende. Doch Legenden, und zunächst als solche fristet
Kojève sein dürftiges Nachleben in Deutschland, neigen seit alters dazu,
zu verblassen. Hier hilft nur Text: Etwa jene Fußnote, die in der deutschen
Ausgabe der Hegeleinführung fehlt. Nachgeliefert wird sie von dem unvergesslichen
Jacob Taubes in seinem Aufsatz „Ästhetisierung der Wahrheit im
Posthistoire“. Sie stellt ein weiteres Mal die Frage, was aus dem sogenannten
Menschen wird am Ende der Geschichte, ein Tier oder womöglich doch ein
Snob. Bereits in den 50er Jahren hatte sich Kojève in zwei Rezensionen für
„Critique“ gemutmaßt, welche Wesen eine kommende Gemeinschaft bevölkern
könnten: untätige Gauner (le voyou desoeuvré) und junge Mädchen (la
jeune fille). Bataille war erwartungsgemäß entsetzt. Seine „arbeitslose Negativität“
wollte sich den „Sonntag des Lebens“ bekanntlich auf heiligere Weise
vertreiben. Kojève behielt das letzte Wort: In einem Interview, das Gilles
Lapouge für die „Quinzaine littéraire“ mit dem Philosophen und Staatsbeamten
führte. Es erschien im Juli 1968 postum; Kojève war am 4. Juni während
eines Vortrags in Brüssel gestorben, wo er auch begraben liegt.
313. Kontroverse über China
Mit Beiträgen von Dirk Baecker, Paolo Fabbri, Philippe Jousset, François Jullien, Wolfgang Kubin, Peter Pörtner und Wang Minan
160 Seiten 13,- Euro ISBN 978-3-88396-247-4
Im Juni 2007 fand im Hebbeltheater Berlin das Festival „Umweg über China“ statt. Auf dem Kolloquium mit und über François Jullien referierten Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen aus Deutschland, Frankreich, Italien und China.
„Der Nutzen dieses Umwegs über China ist ein doppelter. Er liegt zunächst darin, andere
mögliche Modi der Kohärenz, was ich auch andere
Intelligibilitäten nenne, zu entdecken; und davon ausgehend zu sondieren, wie weit der Umgebungswechsel des Denkens gehen kann. Aber dieser Umweg impliziert auch eine Rückkehr. Vom Standpunkt der Äußerlichkeit ausgehend, handelt es sich darum, zu den Grundeinstellungen zurückzukehren, von denen sich die europäische Vernunft aus entwickelt hat – vergrabene, unausgesprochene Einstellungen, die das europäische Denken als evident transportieren solange es sie assimiliert und auf denen es gediehen ist. Das Ziel ist es, auf diese Weise und vom Standpunkt der Äußerlichkeit aus in das Ungedachte des Denkens zurückzugehen und die Kehrseite der europäischen Vernunft zu betrachten. Das bedeutet, die Kontingenz seines Geistes zu verlassen (indem man es der Erprobung durch ein anderes Denkgerüst unterzieht) und zugleich deutlich auf das „wir“ hinzuweisen (nicht nur in der Ideologie, sondern auch in den Kategorien der Sprache und des Denkens), das stets implizit in diesem ‚ich’, das so wunderbar sagt: ‚ich denke…’, am Werke ist.“
Der Band erscheint in Zusammenarbeit mit dem
Hebbel am Ufer und dem
Institut de la pensée contemporaine Paris.
191. H.-P. Kuhn / H. Zischler
You Can't Judge a Book by its Cover
25 Jahre Merve Verlag
26 Min., 14,- EUR ISBN 3-88396-123-X Berlin 1995
Arrangiert von Hans Peter Kuhn und Hanns Zischler mit Beiheft u. Verzeichnis
aller Veröffentlichungen.
Eine Sonderedition in einer Auflage von 1000 Exemplaren. Als Ausgangsmaterial
dienten Originalaufnahmen der Stimmen von Taubes, von Foerster, H. Müller,
Cage,
Foucault, Baudrillard, Deleuze,
Virilio, Szeemann, Blixa Bargeld, Lotringer, Charles, Flusser, Jabès, sowie
Zitate aus den Büchern des Merve Verlags.
"... eine listige Geburtstagsgabe... Für alle, die Spaß haben am Denken,
an seiner Sinnlichkeit." (Fritz Göttler, SZ)